Kapitel 4

Die Kolben

 

Fünf Tage nach Auftragserteilung meldete sich die Fa. Spatz & Heitmüller bei mir. Die Zylinder seien  fertig,  ich könne sie abholen.

Ich konnte gar nicht schnell genug ins Auto kommen, um zur Firma zu fahren, war ich doch gespannt wie ein Flitzebogen,  zu erfahren, wie die Reparatur ausgegangen sei.

Der, der seinen Kaffee aus Kolben trinkt , kam auch gleich auf mich zu, als ich die Werkstatt betrat.„Moin!“,  „Moin, und, wie isses ?  erwiderte ich. „ Alles gut, wir haben die Zylinder überprüft und gehont, passt noch alles“. Und jetzt kommts: Sagt der tatsächlich zu mir: “ Ich hab dir  schon mal ´n  paar Kolben rausgesucht, die passen“. Ich wollte es nicht glauben. „Jau, sagte er, die vom Renault R 18 passen, Kolbendurchmesser 79mm. Na, wunderbar! Im Original hat die M72 eine Bohrung von 78mm. Hab ich jetzt auch gleich eine Leistungssteigerung ? Nicht, das der "General" jetzt auf einmal 130 Km/h läuft, dann brauch ich auch noch andere Bremsen und nicht nur die! 

 

Ich strahlte übers ganze Gesicht, bis ich die Rechnung in den Händen hielt:

 

 

 

 

 

Rund 240 € , ein stolzer Preis, aber dafür kein Russenschrott

Aber was soll´s , gute Arbeit und gute Teile kriegt man nunmal nicht für´n Appel und `n Ei.

 So noch ein anständiges Trinkgeld für den Monteur und ab nach hause.

 

Der Einbau sollte eigentlich ganz einfach sein, dachte ich, bis ich die Kolben auspackte. Was war das denn ? Den Kolben fehlten die Nuten für die Kolbenbolzensicherung! Der Kolbenbolzen ließ sich anstandslos nach beiden Seiten des Kolbens rausschieben. Wat nu?

Anruf bei Firma Spatz und Problem erklärt. Der Kundendienstmonteur erklärte mir, dass die Kolben bei Renault aufgeschrumpft werden. Da das für mich nicht in Frage kam, empfahl er mir, in die Kolben Nuten für die Sicherungsringe einstechen zu lassen. Leider konnte er mir keine Firma empfehlen, die so etwas macht.

Kein Problem, dachte ich, es gibt ja das Netz.

Ich glaube, ich habe einen halben Tag lang telefoniert und Maschinenbaufirmen sowie Drehereien abgeklappert, bis ich endlich einen Betrieb fand, der über das nötige Wissen und Werkzeug verfügte, um die Arbeiten ausführen zu können. Der Meister schaute sich die Kolben an, nahm die nötigen Maße auf und sagte dann: „Geht nicht !“ „Wie geht nicht ?“ „Der Kolbenbolzen ist zu lang, mir bleibt zu wenig Platz für die Nut !“  Mir schwoll der Kamm! „Und nu ?“ fragte ich.„Bolzen abschleifen“ erwiderte er. „Könnt ihr den nicht abdrehen ?“ „ne, sagter, das ist wahrscheinlich Nitrierstahl, da mach ich meine Werkzeuge evtl.kaputt!“ Lass den schleifen!“.

O.K. das gleiche Spiel noch mal von vorne.  Recherche im Netz, telefonieren bis die Finger wund sind. Zum Glück habe ich eine flatrate. Endlich einen Betrieb 20 Km außerhalb Bremens gefunden, der mir hilft.

 

Ich kürze an dieser Stelle einfach mal ab,  mir kommen schon wieder die Nackenhaare hoch , wenn ich an diese Aktion nur denke.

 

Also:  Jede Menge Zeit fürs Telefonieren geopfert, etliche Km mit dem Auto abgerissen um die passenden Werkstätten zu finden.Warten auf den abgeschliffenen Bolzen 2 Tage, Warten auf die Kolben 4 Tage

 Preis für die Arbeiten ca. 110 €

 

Fazit: Viel Lehrgeld bezahlt, hätte nicht sein müssen, aber dazu später mehr.

 

Erfreuliches: Ein paar kleine Drehereien kennen gelernt, die auch Einzelstücke nach eigenen Vorgaben zu günstigen Preisen anfertigen. Wenn sie denn die passenden Werkzeuge haben.

 

So, nun glaubt man nicht, dass ich, während ich auf meineTeile gewartet habe, rum gesessen habe.

Weiter gings.

Der Motorblock war ja gestrahlt und damit von außen recht ansehnlich geworden. Also auf, das Innere ergründen.

 

Zuerst die Ölwanne demontiert, sah „gut“ aus.

                 

 

 

 

             Dicker, schwarzer Ölschlamm hat sich abgesetzt 

 

 

Ich habe dann die Ölwanne über einem feinen Haarsieb (hoffentlich liest meine Frau das nicht, das Sieb gehöre nämlich zu unseren Küchenutensilien. Ich habe dann ein neues besorgt, ist nie aufgefallen) mit Waschbenzin gereinigt. Wider erwarten habe ich im Sieb kaum Metallabrieb gefunden, was mich doch verwunderte, bei dem Kolben (siehe Kap. 2).

Aber umso besser.

 

Und jetzt habe ich etwas gemacht, dafür hätten mich eingefleischte Mechaniker gelyncht.

 

Wie ich am Anfang der Website schon erwähnte, bin ich von Beruf Koch (mit öligen HD 30 Fingern)  und Hobbyschrauber. Die Herausforderung, den Motor komplett zu zerlegen, alles zu vermessen und defekte Teile, so es sie denn gibt, evtl. zu erneuern:  EineArbeit, die, perfekt auszuführen, ich mich nicht  traute.

Kfz-Mechaniker, Motorenschlosser sind Lehrberufe für die man 3 Jahre ausgebildet wird und ich Laie soll dass können? Nö.

Also, das Innenleben mit Waschbenzin eingesprüht, einwirken lassen  und  mit einem Hochdruckreiniger vorsichtig ausgewaschen. 2 x wiederholt und über Nacht trocknen lassen. Brutal, völlig bescheuert ? Ich weiß es nicht, aber der Motor läuft heute noch ohne Beanstandungen.

 

Am nächsten Tag alles mit Druckluft ausgeblasen und  gründlich eingeölt. Den ganzen Tag über immer wieder den  Motor durchgedreht und geölt,geölt!

 

Liebe Leser: Was bei mir geklappt hat, muss nicht immer so gut ausgehen. Ich bin Laie und trage die Kosten für Spätfolgen selber. Ich kann aber nur jedem empfehlen, bei den  geringsten Zweifeln  einen Fachmann und damit meine ich keinen guten Kumpel, der „so was schonmal gemacht hat“  hinzu zu ziehen und seinem Rat zu folgen. Das Ganze kann sehr schnell in einen teuren Spaß ausarten. Aber wie sagt der Laie so schön: No risk, no fun!

 

Am nächsten Tag ab zu Jörg, Dichtungen besorgen. Ich habei hm erklärt, was ich vorhabe und er hat mir einen Satz mit allen evtl.benötigten Dichtungen zusammengestellt (auch die für spätere Arbeiten).  wusste er doch, was auf mich zukommt. Noch n´büschen geschnackt und ab nach hause.

 

So, Leute, muss reichen für heute.

Ich muss noch Essen vorbereiten für Ostern, aber das nächste Kapitel erscheint schon gleich nach Ostern. Versprochen.

Bis dahin allen ein frohes Osterfest (auch schlechtes Wetterhat seine Reize, unter der Bettdecke)) und schaut mal wieder rein.

 

Gruß aus Bremen

 

Budelmann

 

 

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